Einmal quer durch Norwegen mit dem Nachtzug
Alles zu Norwegens Nachtzügen: Strecken, Schlafwagen, Liegesessel, Tickets und Interrail-Preise – dein Guide für die Fahrt durch die Fjorde.
Fjorde, Gletscher und tanzende Nordlichter. Norwegen ist ein Land der Naturwunder. Aber auch: Ein Land der weiten Wege. Ob Oslo, Bergen oder Trondheim – wer mit dem Zug durch Norwegen reist, braucht viele Stunden. Was liegt da näher, als die Strecken zwischen den größten Städten bequem im Schlaf zurückzulegen? Mit dem Nachtzug!

Norwegen unterhält ein kleines, aber feines Nachtzug-Netz. Die Nachtzüge sind auf den vier großen Hauptstrecken unterwegs: von Oslo nach Stavanger, Bergen und Trondheim sowie auf der legendären Nordlandbahn, die von Trondheim nach Bodø über den Polarkreis führt. Darüber hinaus gibt es mit dem schwedischen Nachtzug von Stockholm nach Narvik auch eine internationale Verbindung nach Norwegen.
Eine Besonderheit in Norwegen: Die vier Nachtzug-Strecken werden von drei verschiedenen Anbietern betrieben. Klingt kompliziert? Keine Angst, in diesem Guide nehmen wir euch an die Hand und führen euch durch die Welt der norwegischen Nachtzüge.
Es lohnt sich: Eine Fahrt im norwegischen Schlafwagen gehört zu den schönsten Nachtzug-Erlebnissen in Europa.
Strecken
Oslo–Bergen
Anbieter: Vy
Die Bergenbahn ist eine der schönsten Bahnstrecken der Welt. Warum also sollte man sie verschlafen? Nun, die Fahrt von Oslo nach Bergen dauert rund sieben Stunden. Wer nicht so viel Zeit hat, steigt in den Nachtzug. Oder verbindet das Beste aus beiden Welten: Tagsüber hin, nachts zurück. So erlebt ihr die Strecke bei Tageslicht und spart eine Übernachtung – und mit Interrail außerdem einen Reisetag.
Von Oslo führt die Bergenbahn zunächst durch das ländliche Norwegen, bevor sie auf die spektakuläre Hardangervidda hinaufsteigt. Bei Finse erreicht die Strecke mit 1.237 Metern ihren höchsten Punkt. Danach geht es über Myrdal und Voss hinab ins malerisch am Fjord gelegene Bergen.

Der Nachtzug Oslo–Bergen ist der einzige in Norwegen, der vom staatlichen Bahnunternehmen Vy betrieben wird. Eine Besonderheit: Neben Sitz- und Schlafwagen führt er auch Liegewagen.
Hier findest du alle Verbindungen und kannst die Preise nachschlagen:
Oslo–Stavanger
Anbieter: Go-Ahead Nordic
Stavanger mit seinen weißen Holzhäusern ist rund acht Zugstunden von Oslo entfernt. Die Fahrt führt über die Sørlandsbahn, die sich die felsige Südküste Norwegens entlangschlängelt. Wichtigster Zwischenhalt ist Kristiansand, wo Anschluss an die Fähren nach Dänemark besteht.

Der Nachtzug von Oslo nach Stavanger wird von Go-Ahead Nordic betrieben, die auch den Tagesverkehr auf der Sørlandsbahn sowie auf der Stichstrecke nach Arendal anbietet.
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Oslo–Trondheim
Anbieter: SJ Norge
Norwegens drittgrößte Stadt Trondheim ist über die Dovrebahn mit Oslo verbunden. Die Strecke führt über die Olympiastadt Lillehammer durch das Gudbrandstal und steigt anschließend auf das hochgelegene Dovrefjell, bevor sie wieder hinab nach Trondheim führt. Von Trondheim besteht Anschluss über die Nordlandbahn weiter bis Bodø. Außerdem geht es von hier mit dem Zug über die Grenze ins schwedische Duved.

Der Nachtzug von Oslo nach Trondheim wird von SJ Norge betrieben, einem Tochterunternehmen der schwedischen Staatsbahn SJ. Äußerlich verkehren die Züge unter der Marke SJ NORD. Achtung: SJ Norge und die schwedische SJ sind zwei komplett unabhängige Unternehmen und können keine Tickets des jeweils anderen verkaufen.

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Trondheim–Bodø
Anbieter: SJ Norge
Die vierte rein norwegische Nachtzugstrecke ist die längste und führt durch die wildeste Landschaft. Die Fahrt von Trondheim nach Bodø verläuft über die Nordlandbahn: Fjorde, Seen, tosende Flüsse – diese Strecke hat alles zu bieten, was Nordnorwegen ausmacht. Höhepunkt ist die Überquerung des Saltfjellet, wo der Zug den Polarkreis passiert. Von Bodø geht es mit der Fähre weiter auf die Lofoten oder mit dem Bus nach Narvik.

Auch der Betrieb auf der Nordlandbahn wird von SJ Norge durchgeführt. Da die 729 Kilometer lange Strecke nicht elektrifiziert ist, kommen hier Diesellokomotiven zum Einsatz.
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Stockholm–Narvik
Anbieter: Schwedische Bahn SJ
Dieser Nachtzug ist eine Besonderheit im norwegischen Netz: Eigentlich handelt es sich um einen schwedischen Zug, der erst auf den letzten Kilometern nach Norwegen fährt. Von Stockholm geht es über Boden, Gällivare, Kiruna und Abisko, ehe die Strecke in Riksgränsen die Grenze überquert. Aber Norwegen wäre nicht Norwegen, wenn nicht gerade dieser letzte Abschnitt der spektakulärste wäre: Der Zug schraubt sich hinunter zum Ofotfjord, atemberaubende Ausblicke inklusive. Und das bei Tageslicht, denn Narvik wird erst gegen Mittag erreicht.
Narvik ist nicht an das übrige norwegische Eisenbahnnetz angeschlossen. Der Bahnverkehr wird vollständig von schwedischer Seite organisiert. Von Narvik geht es mit dem Bus weiter auf die Lofoten.
Hier findest du alle Verbindungen und kannst die Preise nachschlagen:
Komfort und Ausstattung
Norwegens Bahnunternehmen versuchen, die Nachtzüge mit minimalem logistischem Aufwand zu betreiben. Das Konzept: Statt eigene Züge bereitzustellen, werden dieselben Zuggarnituren verwendet, die auf den Strecken auch im Tagesverkehr zum Einsatz kommen. Abends werden lediglich ein bis drei Schlafwagen angehängt.
Auch wenn die Nachtzüge von verschiedenen Anbietern betrieben werden, sind Wagenmaterial und Ausstattung auf den vier norwegischen Linien praktisch identisch. Ausnahme ist Oslo–Bergen, betrieben von Vy: Als einziger norwegischer Nachtzug führt dieser neben Sitz- und Schlafwagen auch Liegewagen.
Komplett aus der Reihe fällt dagegen der Nachtzug Stockholm–Narvik, der von der schwedischen SJ betrieben wird. Mehr über seine Ausstattung erfahrt ihr in unserem Artikel über Nachtzüge in Schweden.
Schlafwagen
Norwegens Schlafwagen überraschen schon von außen: Der Wagenkasten ist achteckig und ragt über die übliche Wagenbreite hinaus. Das schafft Platz für zwei übereinander angeordnete, große Betten mit 75 × 200 cm. Auch das Abteil-Layout ist ungewöhnlich: Das Waschbecken befindet sich am Fenster, längs zur Fahrtrichtung – in einer zum Teil klappbaren Ablagefläche, die über das Fußende des unteren Bettes ragt.

In Norwegen bucht man grundsätzlich das ganze Schlafwagenabteil, das man allein oder zu zweit nutzen kann. Bei der Abfahrt sind die Betten frisch bezogen. Außerdem gibt es für jeden Reisenden ein kleines Handtuch, ein Hygienepaket und eine Flasche Wasser. Leselicht und Steckdosen gehören ebenfalls zur Ausstattung. WLAN gibt es allerdings nicht.

Die Wagen sind zwar schon etwas älter, aber in der Regel sauber, gut gepflegt und – soweit es die kurvigen Strecken in Norwegen zulassen – sehr laufruhig. Toiletten befinden sich am Gang. Duschen gibt es in den Schlafwagen nicht, und auch ein Frühstück wird an Bord nicht serviert. Die Betreiber kooperieren an den Endbahnhöfen allerdings mit Hotels, in denen man vergünstigt duschen und frühstücken kann.
Die Abteiltür lässt sich mit einer Schlüsselkarte öffnen. Diese wird je nach Zug und Bahnhof entweder am Bahnsteig oder im Bistrowagen ausgegeben. Der Check-in ist oft schon deutlich vor der Abfahrt möglich, sodass sich die Nachtruhe etwas verlängern lässt.

Einige Züge bleiben nach der Ankunft am Morgen außerdem noch eine Zeit am Bahnsteig stehen, während derer ihr an Bord bleiben könnt. Rund 15 Minuten vor der Ankunft gibt es einen Weckruf durch das Zugpersonal.
Die Schlafwagen tragen in Norwegen die Bezeichnung Sove.
Liegesessel
Eine Nacht im Liegesessel ist ein guter Kompromiss für alle, die weniger ausgeben möchten, aber trotzdem nicht auf Komfort verzichten wollen. Die geräumigen Sitze lassen sich elektrisch in eine flache Liegeposition bringen, dazu gibt es eine ausfahrbare Fußstütze. Jeder Liegesessel verfügt über einen kleinen Tisch, eine Leselampe und eine Steckdose. Beim Einstieg liegen eine Decke und eine Flasche Wasser bereit.
In der Regel gibt es pro Zug einen Wagen, der ausschließlich mit Liegesesseln ausgestattet ist. Die Bezeichnung unterscheidet sich je nach Anbieter:
- Vy: PlussNatt
- Go-Ahead: Hvile
- SJ Norge: Premium Pluss

Sitzwagen
Den größten Teil der Nachtzüge machen gewöhnlich Sitzwagen aus, wie sie auch im Tagesverkehr zum Einsatz kommen. Es handelt sich um Großraumwagen mit 2er-Reihen sowie 4er-Sitzgruppen mit Tisch. Es gibt WLAN und Steckdosen am Platz.
Die Sitzwagen werden als Standard bezeichnet.
Liegewagen (nur Oslo–Bergen)
Im Nachtzug von Oslo nach Bergen gibt es auch Liegewagen. Diese stammen aus Beständen der Deutschen Bahn und verfügen über Abteile mit sechs klappbaren Liegen. Im Liegewagen lässt sich nur ein ganzes Abteil buchen. Das Angebot richtet sich vor allem an Familien und Kleingruppen.

Die Wagen werden auch in ausgewählten Tageszügen zwischen Oslo und Bergen mitgeführt. Tagsüber werden die Liegen zu Sitzen umgebaut. Auch dann ist der Wagen nur als komplettes Abteil buchbar.
Vy bezeichnet den Liegewagen als Hvile.
Bordbistro
In den nordischen Ländern gehört es zum guten Ton, Nachtzüge mit Bordgastronomie zu betreiben. Norwegen ist da keine Ausnahme. In den als Kafé bezeichneten Bistrowagen gibt es warme Gerichte, Snacks und Getränke. Natürlich darf dabei pølse nicht fehlen, die in Norwegen beliebte Grillwurst – entweder als Hot Dog oder auf dem Teller mit Kartoffelpüree.
Das Bistro ist die ganze Nacht geöffnet und schließt 30 Minuten vor der Ankunft. Ein Frühstücksangebot gibt es nicht.
Tickets und Buchung
Auch wenn das norwegische Bahnnetz mit seinen verschiedenen Anbietern kompliziert erscheinen mag, ist die Buchung über die zentrale Plattform Entur recht einfach. Entur ist ein staatliches Unternehmen und bündelt die Angebote von Vy, SJ Norge und Go-Ahead sowie den öffentlichen Busverkehr. Tickets gibt es dort ohne zusätzliche Gebühren. Alternativ kann man die Tickets auch direkt bei den jeweiligen Betreibern kaufen.
Reguläre Tickets
Für die Nachtzüge gibt es grundsätzlich zwei Ticketarten:
- Flexible: Diese Tickets können unabhängig von der Komfortkategorie bis zur Abfahrt kostenlos storniert werden. Auch eine Umbuchung auf einen anderen Zug ist möglich.
- Non Flexible: Diese Tickets sind günstiger, können dafür aber nicht storniert oder umgetauscht werden. Innerhalb von vier Stunden nach dem Kauf ist jedoch eine Sofort-Stornierung gegen eine Servicegebühr möglich.
Bei Vy gibt es außerdem semi-flexible Tickets. Diese können umgebucht, aber nicht storniert werden.
Die Tickets sind in der Regel drei Monate vor Abfahrt erhältlich. Die Preise sind dynamisch und steigen sowohl bei flexiblen als auch bei nicht-flexiblen Tickets je näher die Abfahrt rückt. Früh buchen lohnt sich also.
Etwas verwirrend: Entur verwendet für die Reisekategorien zum Teil eigene, anbieterübergreifende Bezeichnungen, die von denen der Bahnunternehmen abweichen:
- Sitzwagen: Standard
- Schlafwagen: Sovekupé (englisch Sleeper)
- Liegesessel: Hvilesete (Reclining seat)
- Liegewagen: Hvilekupé (Resting compartment)
Interrail
Die norwegischen Nachtzüge können auch mit Interrail genutzt werden. Zusätzlich zum Pass ist eine Reservierung erforderlich. Für einen Interrail-Pass der 2. Klasse kostet diese derzeit:
| Strecke | Standard | Liegesessel | Schlafwagen |
|---|---|---|---|
| Vy (Oslo–Bergen) | 90 NOK (ca. 10 EUR) | 680 NOK (ca. 65 EUR) | 1350 NOK (ca. 125 EUR) |
| Go-Ahead (Oslo–Stavanger) | 50 NOK (ca. 5 EUR) | 500 NOK (ca. 45 EUR) | 1000 NOK (ca. 90 EUR) |
| SJ Norge (Oslo–Trondheim) | 50 NOK (ca. 5 EUR) | 500 NOK (ca. 45 EUR) | 1250 NOK (ca. 115 EUR) |
Mit einem Interrail-Pass der 1. Klasse ist ein Sitzplatz kostenlos. Die weiteren Preise bleiben unverändert.
Der Liegewagen auf der Strecke Oslo–Bergen kann nicht mit Interrail genutzt werden. Hierfür muss ein reguläres Ticket gebucht werden.
Auch Interrail-Reservierungen sind bei Entur erhältlich. Dazu wählt ihr beim Reisenden „Interrail“ als Ermäßigung und gebt eure Passnummer ein. Der Preis für die Reservierung wird dann unter „Flexible“ angezeigt.
Fazit
Mit Norwegens Nachtzügen lassen sich große Distanzen im Land bequem im Schlaf zurücklegen. Besonders die Schlafwagen bestechen durch cleveres Design, komfortable Betten und ihre Laufruhe. Auch preislich kann eine Nacht im Schlafwagen durchaus eine Alternative zum Hotel sein, besonders wenn ihr mit Interrail unterwegs seid.
Einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Preis bieten die Liegesessel, die in dieser Form einmalig in Europa sind. Zusammen mit dem Bistrowagen ergibt sich so ein insgesamt stimmiges Nachtzug-Paket.
Häufige Fragen
Kann ich mein Fahrrad mitnehmen?
Fahrräder können gegen Aufpreis mitgenommen werden. Sie werden im Gepäckabteil des Bistrowagens transportiert. Während der Fahrt müssen die Fahrräder frei von Gepäck und unabgeschlossen sein.
Darf mein Haustier mitreisen?
Haustiere können nur im gewöhnlichen Sitzwagen mitgeführt werden. In den anderen Komfortkategorien – Schlafwagen, Liegesessel und Liegewagen – sind dagegen keine Tiere erlaubt.

Wie sieht es mit Gepäck aus?
Pro Reisendem können bis zu drei Gepäckstücke mitgeführt werden. Zusammen dürfen sie höchstens 30 kg wiegen. Die maximale Größe eines Gepäckstücks beträgt 85 × 55 × 35 cm.
Sind die Nachtzüge barrierefrei?
Die Schlafwagen sind nur eingeschränkt barrierefrei. In jedem Schlafwagen gibt es zwei etwas größere Abteile, in denen ein Rollstuhl Platz findet. Die Toiletten sind allerdings nicht rollstuhlgeeignet. An größeren Bahnhöfen steht Reisenden mit eingeschränkter Mobilität ein Assistenzservice zur Verfügung.
Wie groß sind die Betten?
Im Schlafwagen sind die Betten 75 × 200 cm groß. Im Liegewagen zwischen Oslo und Bergen beträgt die Liegefläche:
- untere Liege: 68 × 181 cm
- mittlere Liege: 61 × 178 cm
- obere Liege: 63 × 174 cm
Zum Autor: Sebastian Wilken ist leidenschaftlicher (Nacht)Zug-Fahrer und schreibt in seiner Zugpost über Zugreisen in Europa. Er beobachtet für Night Ride den Nachtzug-Markt und versorgt euch mit den besten Tipps und Tricks für die schönsten Strecken.
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