Mit dem Nachtzug Großbrittanien erkunden

Rollend auf Schienen lässt sich die Insel vorzüglich entdecken. Welche Optionen es gibt und wie man am stilvollsten reist, erfahrt ihr hier.

Mit dem Nachtzug Großbrittanien erkunden
Der Night Riviera Sleeper am Bahnhof London Paddington

Abends in London in den Zug steigen. Vielleicht noch ein Abendessen oder einen Drink im Barwagen. Im gemütlichen Bett einschlummern. Und dann am nächsten Morgen in den schottischen Highlands oder an der bezaubernden Küste von Cornwall aufwachen.

Was wie ein Traum klingt, wird mit dem Nachtzug wahr.

Großbritannien ist nicht nur das Mutterland der Eisenbahn, sondern auch eine klassische Hochburg des Nachtzugreisens. In der Blütezeit waren England, Wales und Schottland von einem dichten Netz aus Nachtzügen durchzogen. Heute haben sich noch zwei voneinander unabhängige Nachtzug-Angebote erhalten: der Caledonian Sleeper nach Schottland und der Night Riviera Sleeper an Englands Südwestküste.

Der Caledonian Sleeper in den schottischen Hochländern
Der Caledonian Sleeper in den schottischen Hochländern

Beide zählen zu den besten Nachtzügen überhaupt: Äußerst komfortable Wagen, beeindruckende Strecken – und dazu eine Gastfreundlichkeit, die ihresgleichen sucht. Very British eben.

In diesem Guide nehmen wir Großbritanniens Nachtzüge unter die Lupe. Welche Routen gibt es? Wie ist der Komfort an Bord? Und natürlich verraten wir euch auch, wie ihr an die günstigsten Tickets kommt. Denn das ist der einzige kleine Haken an der Sache: Ganz billig ist das Vergnügen nicht. Aber es lohnt sich, versprochen.

Caledonian Sleeper: Nachtzug nach Schottland

Verwunschene Schlösser, einsame Moore, mystische Inseln – Schottland ist ein Traumziel für jede Zugreise. Und mit dem Caledonian Sleeper wird die Anreise zum echten Genuss. Von London aus sind die komfortablen Schlafwagen auf insgesamt fünf Linien unterwegs – in aufregende Städte wie Edinburgh und Glasgow, an die sanftgrüne Steilküste von Aberdeen oder mitten in die wilde Natur der Highlands.

Aussicht auf die Highlands vom Zweierabteil
Aussicht auf die Highlands vom Zweierabteil

Nachdem der Caledonian Sleeper lange von verschiedenen Privatunternehmen geführt wurde, hat im Sommer 2023 der schottische Staat den Betrieb übernommen. Mit modernen Wagen, wunderschönen Strecken und erstklassigem Service gehört eine Fahrt mit dem Caledonian Sleeper zu den großen Nachtzugabenteuern Europas.

Strecken

Das Angebot des Caledonian Sleeper besteht aus zwei unabhängigen Nachtzügen, die wiederum aus mehreren Zugteilen zusammengesetzt sind: Der Lowland Sleeper mit Zugteilen nach Glasgow und Edinburgh und der Highland Sleeper mit Zugteilen nach Aberdeen, Inverness und Fort William. Die Zugteile werden nachts getrennt und fahren am Morgen eigenständig zu ihren jeweiligen Endstationen weiter.

Beide Züge starten am Bahnhof London Euston. Dieser ist nur wenige Gehminuten vom Bahnhof St Pancras entfernt, wo die Eurostar-Züge aus Brüssel, Paris und Amsterdam ankommen.

Die Züge des Caledonian Sleeper verkehren täglich außer samstags. Je nach Route beträgt die Fahrzeit zwischen 8 und 13 Stunden.

Lowland Sleeper: Edinburgh & Glasgow

Der Lowland Sleeper bedient die relativ kurzen Strecken von London nach Edinburgh und Glasgow. Beide Städte liegen im südlichen Teil Schottlands und sind im Tagesverkehr in knapp vier Stunden sehr gut an London angebunden. Dennoch erfreut sich auch der Nachtzug großer Beliebtheit, vor allem bei Geschäftsleuten und Wochenendpendlern.

Die Strecke des Lowland Sleeper führt über Watford Junction und Carlisle, ehe der Zug am schottischen Bahnhof Carstairs in die beiden Zugteile nach Edinburgh und Glasgow geteilt wird.

  • London – Edinburgh und zurück
    Edinburgh ist die Hauptstadt von Schottland und mit seiner malerischen Altstadt und dem Edinburgh Castle ein Muss für Liebhaber von Geschichte und Architektur. Der Caledonian Sleeper hält am Bahnhof Edinburgh Waverley direkt im Zentrum der Stadt.
  • London – Glasgow und zurück
    Auf dem Weg nach Glasgow macht der Caledonian Sleeper noch in Motherwell Station, ehe er am Bahnhof Glasgow Central einfährt. Glasgow ist nicht so hübsch wie Edinburgh, sondern kantig, laut und manchmal auch dreckig. Dafür besticht es durch eine kreative Kulturszene und sein großes Herz.

Highland Sleeper: Aberdeen, Inverness & Fort William

Aus touristischer Sicht deutlich interessanter ist der Highland Sleeper mit seinen drei Zugteilen nach Aberdeen, Inverness und Fort William. Die Fahrt ist deutlich länger, so dass ihr in Ruhe ausschlafen und entspannt in den Tag starten könnt. Außerdem: Die Bahnstrecken, die am Morgen befahren werden, gehören zu den schönsten in Schottland.

Der Caledonian Sleeper hält am Bahnhof Corrour, bekannt aus dem Film "Trainspotting"
Der Caledonian Sleeper hält am Bahnhof Corrour, bekannt aus dem Film "Trainspotting"

Übrigens: Seit Anfang 2026 verkehrt der Highland Sleeper neu über Birmingham, und verbindet damit auch die englische Region West Midlands über Nacht mit Schottland.

  • London – Aberdeen und zurück
    Aberdeen liegt an Schottlands Ostküste. Auf der Fahrt überquert der Caledonian Sleeper die Forth Bridge, die zum UNSECO-Welterbe zählt, sowie die ebenfalls beeindruckende Tay Bridge bei Dundee. Immer wieder geht es wunderschön am offenen Meer entlang.
  • London – Inverness und zurück
    Die Route nach Inverness führt durch die zentralen Highlands, wo die Landschaft besonders rau und im Winter schneebedeckt ist. Bei Dalwhinnie erklimmt der Zug den höchsten Punkt im britischen Bahnnetz. Inverness gilt als Hauptstadt der Highlands und eignet sich perfekt für einen Ausflug nach Loch Ness.
  • London – Fort William und zurück
    Die Route nach Fort William ist ein echter Klassiker. Der auch als Deerstalker bekannte Zugteil schlängelt sich durch die magische Szenerie der westlichen Highlands, die durch den Fernwanderweg West Highland Way weltberühmt ist. Fort William selbst liegt am Fuße des Ben Nevis und ist ein wahres Outdoor-Paradies.
💡
Unsere Empfehlung: Wenn ihr euch einmal das Erlebnis Caledonian Sleeper gönnt, fahrt mit dem Highland Sleeper! Die wohl schönste Strecke führt nach Fort William. Hier geht es durch das wilde Rannoch Moor, wo mit Corrour der höchstgelegene und einsamste Bahnhof Großbritanniens erreicht wird (bekannt aus dem Film „Trainspotting“). In Fort William könnt ihr dann in den Zug nach Mallaig umsteigen, der über den berühmten „Harry Potter“-Viadukt fährt. Und von Mallaig aus geht es weiter mit der Fähre auf die Isle of Skye, ein Muss für jede Schottland-Reise.

Komfort an Bord

Neben den fantastischen Zielen überzeugt der Caledonian Sleeper vor allem durch Ausstattung und Service. Das Wagenmaterial wurde 2019 komplett erneuert und bietet höchsten Komfort auf kleinem Raum. Das Motto „Hotel auf Schienen“ ist hier keine Übertreibung.

Blick in einen "Classic Room"
Blick in einen "Classic Room"

In allen Zugteilen gibt es Schlafwagen, Sitzwagen und mit dem „Club Car“ auch einen vollwertigen Speisewagen. Liegewagen sind in Großbritannien nicht gebräuchlich – das hat damit zu tun, dass Waggons grundsätzlich etwas kleiner sind als auf dem europäischen Festland.

Der luxuriöse "Club Car", der 1.-Klasse-Gästen vorbehalten ist
Der luxuriöse "Club Car", der 1.-Klasse-Gästen vorbehalten ist

Schlafwagen

In den Schlafwagen gibt es drei verschiedene Abteilarten, die als Classic, Club und Double bezeichnet werden. Alle Abteile lassen sich allein oder zu zweit nutzen. Dabei wird immer das ganze Abteil gebucht, man teilt es sich also nicht mit Fremden.

  • Classic Room
    Die günstigste Abteilart verfügt über zwei übereinander angeordnete Betten. Am Fenster befindet sich ein kleines Waschbecken, dazu gibt es mit elektronischen Schlüsselkarten, WLAN und USB-Steckdosen zeitgemäße Technik. Die Abteile sind klein, dafür überzeugt das Ambiente mit Tweed-Akzenten und eleganten Farben. Zwei benachbarte Abteile lassen sich durch eine Verbindungstür zu einer kleinen Suite verbinden, perfekt für Familien.
Ein wahres Highlight: Die Matratzen
Ein wahres Highlight: Die Matratzen
  • Club Room
    Das Abteil ist identisch zum Classic Room, hat aber zusätzlich ein kleines Badezimmer mit WC und Dusche. Zu den weiteren Vorteilen gehört das im Preis inbegriffene Frühstück sowie Zugang zur Lounge an den Bahnhöfen und bevorzugter Zugang zum Speisewagen.
  • Caledonian Double
    Die Luxusklasse im Caledonian Sleeper. In dem deutlich größeren Abteil findet ein richtiges Doppelbett mit einer Breite von 140 cm Platz. Eine Besonderheit auf europäischen Schienen – die natürlich ihren Preis hat. Dazu gibt es ebenfalls ein eigenes Badezimmer und alle weiteren Vorteile des Club Rooms.

Sitzwagen

Weniger bequem, dafür besonders preiswert reist ihr im Sitzwagen. Es handelt sich dabei um Großraumwagen. Die Rückenlehne der Sitze lässt sich um 10 Grad neigen und für jeden Reisenden gibt es ein Kit mit Nachtutensilien, darunter eine Schlafmaske. Für das Handgepäck gibt es ein verschließbares Fach über jedem Sitz.

Club Car

Das Herz des Caledionian Sleeper ist das Club Car, ein vollwertiger Speisewagen mit Barbereich. Hier könnt ihr aus einer umfangreichen, feinen Karte wählen – inklusive schottischer Klassiker wie Haggis. Aber keine Sorge, es gibt auch weniger deftige und vegetarische Gerichte. Und natürlich kann man es auch bei einem Schlummertrunk belassen.

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Unsere Empfehlung: Der Aufpreis für den Club Room lohnt sich neben der Dusche und dem kostenlosen Frühstück eigentlich vor allem für den gesicherten Zugang zum Club Car. Zu Stoßzeiten kommt es regelmäßig vor, dass Reisende im Classic Room keinen Platz mehr bekommen. Wenn ihr euch also das volle Erlebnis Caledonian Sleeper (inklusive Aussicht auf die Highlands beim Frühstück) sichern wollt, bucht einen Club Room!

Ein Besuch im Club Car ist Schlafwagengästen vorbehalten. Reisende im Club- oder Double-Abteil erhalten bei hoher Auslastung den Vortritt. Wer im Sitzwagen reist, hat keinen Zugang, kann sich aber Speisen und Getränke an den Platz servieren lassen.

Tipp: Stürmt nicht gleich an den Tisch, sondern wartet kurz, bis ihr vom Service-Personal platziert werdet. Das Club Car ist bargeldlos, Zahlungen sind nur mit Kredit- und Debitkarten möglich.

Weitere Ausstattung

  • Barrierefreiheit
    An jedem Zugteil sind je ein Classic Room und ein Caledonian Double barrierefrei ausgeführt. Die Abteile sind von einer verbreiterten Einstiegstür aus zugänglich und befinden unmittelbar neben einer barrierefreien Toilette.
  • Fahrradmitnahme
    Fahrräder können gegen Reservierung kostenlos mitgenommen werden. Einzelne Bahnhöfe sind jedoch von der Fahrradmitnahme ausgeschlossen.
  • Haustiere
    Gegen eine Gebühr von 30 £ können bis zu zwei Haustiere im Schlafwagenabteil mitgenommen werden.

Frühstück

Ja nach Wunsch wird das Frühstück morgens ins Abteil gebracht oder im Club Car serviert. Zur Auswahl stehen warmes schottisches Frühstück (auch vegan erhältlich) und kontinentales Frühstück, dazu gibt es Kaffee und Tee. Wer im Classic Room reist, zahlt für das Frühstück extra, bei der Fahrt im Club Room oder Caledonian Double ist es im Preis inbegriffen.

Zum Frühstück gibt's (unter anderem) Porridge
Zum Frühstück gibt's (unter anderem) Porridge

Tickets & Preise

Eine Fahrt im Caledonian Sleeper ist kein günstiges Vergnügen. Der Basispreis ist recht hoch, dafür variieren die Preise nur wenig, sind also kaum vom Buchungszeitpunkt und Auslastung abhängig.

Vergleiche hier Preise für den Caledonian Sleeper!

Nachfolgend die üblichen Preise für ein Abteil bei Einzelbelegung. Bei Doppelbelegung steigt der Preis um 80–100 £.

Edinburgh & Glasgow

  • Classic Room: 210–270 £
  • Club Room: 270–360 £
  • Caledonian Double: 410 £
  • Sitzplatz: ab 54 £

Aberdeen, Inverness & Fort William

  • Classic Room: 265 £
  • Club Room: 350 £
  • Caledonian Double: 475 £
  • Sitzplatz: ab 59 £

Stand Januar 2026. 1 £ entspricht etwa 1,15 €.

Tipp: Die Kategorie Caledonian Double ist meist besonders schnell ausverkauft, oft Monate im Voraus. In den anderen Kategorien gibt es dagegen in der Regel auch noch kurzfristig Tickets.

Man sieht dem Zug sein junges Alter an
Man sieht dem Zug sein junges Alter an

Interrail

Etwas günstiger ist die Fahrt im Caledonian Sleeper mit Interrail. Als Passinhaber benötigt ihr für den Schlafwagen eine kostenpflichtige Reservierung. Diese ist online erhältlich, dazu wählt ihr bei der Buchung die Option „Room Supplement only“ aus. Der Preis für die Reservierung beträgt unabhängig vom Reiseziel und -zeitraum:

  • Classic Room:
    165 £ für 1 Person
    215 £ für 2 Personen
  • Club Room (1. Klasse):
    215 £ für 1 Person
    275 £ für 2 Personen

Für einen Club Room ist ein Interrail-Pass der 1. Klasse nötig. Die Abteilart Caledonian Double ist für Reisende mit Interrail nicht zugänglich.

Die Fahrt im Sitzwagen ist mit Interrail ohne Aufpreis möglich. Trotzdem muss ein Sitzplatz reserviert werden, das ist kostenlos auf der Website des Caledonian Sleeper möglich.

Umtausch & Erstattung

Wenn ihr das Ticket bis 7 Tage vor Abfahrt storniert, erhaltet ihr den Fahrpreis zu 100 % erstattet. Bei späterer Stornierung (bis zum Mittag des Abfahrtstages) gibt es noch 50 % zurück.

Night Riviera Sleeper: Im Nachtzug nach Cornwall

Ein echter Geheimtipp ist der zweite Nachtzug im Vereinigten Königreich: der Night Riviera Sleeper von London nach Penzance. Er fährt vom Bahnhof Paddington aus die englische Südwestküste entlang und bedient viele spannende Ziele in den Regionen Devon und Cornwall.

Los geht's am Londoner Bahnhof Paddington
Los geht's am Londoner Bahnhof Paddington

Betrieben wird der Night Riviera von Great Western Railway (GWR) und steht seinem großen Bruder aus Schottland in Sachen Komfort in nichts nach. Die kürzlich renovierten Schlafwagen mit ihren äußerst bequemen Betten sind sogar noch einen Tick edler als beim Caledonian Sleeper. Und auch preislich hat der Nachtzug nach Cornwall die Nase vorn.

Strecke

Der Night Riviera ist auf der etwa 500 Kilometer langen Bahnstrecke von London Paddington über Plymouth nach Cornwall unterwegs. Endstation ist Penzance, gelegen an der Südwestspitze Englands (hier findest du alle Verbindungen in der Gegenrichtung). Auf der Strecke bietet GWR auch einen regelmäßigen Tageszugverkehr mit modernen Triebzügen an. Wer die Strecke lieber entspannt im Schlafwagen zurücklegt, hat mit dem Nachtzug eine komfortable Alternative.

Ankunft am Bahnhof Penzance (ja, es gibt Palmen in Großbrittanien)
Ankunft am Bahnhof Penzance (ja, es gibt Palmen in Großbrittanien)

Zwischen Plymouth und Penzance durchquert der Night Riviera das wild-romantische Herz Cornwalls und hält unter anderem in Liskeard, Bodmin, St Austell und Truro. Über Stichstrecken lassen sich außerdem wunderschöne Küstenorte wie Looe, Newquay und St Ives erreichen.

Tipp: Von Penzance aus geht es weiter mit dem Bus nach Land’s End, dem westlichsten Punkt der Hauptinsel Großbritanniens, sowie mit der Fähre in das malerische Archipel der Scilly-Inseln.

Der Night Riviera verkehrt täglich außer samstags. Mit 7 bis 8 Stunden (je nach Richtung) ist die reine Fahrtzeit für einen Nachtzug relativ kurz. Aber: Der Einstieg in London Paddington ist bereits über eine Stunde vor Abfahrt möglich, und in der Gegenrichtung bleibt der Zug nach Ankunft noch fast zwei Stunden am Bahnsteig stehen. Auf diese Weise lässt sich die Zeit an Bord deutlich verlängern und ihr kommt auf eine gute Dosis Schlaf.

Komfort an Bord

Die Night Riviera besteht aus Schlafwagen, Sitzwagen und einem Barwagen. Die Wagen wurden 2018 komplett renoviert und verbinden höchsten Komfort mit moderner Ausstattung.

Schlafwagen

Mit edlen Teppichböden und Betten auf Hotelstandard sind die Schlafwagen des Night Riviera ein echtes Juwel. Die Abteile haben jeweils zwei übereinander angeordnete Betten und lassen sich in Einzel- oder Doppelbelegung buchen. Am Fenster gibt es ein aufklappbares Waschbecken. Die Bettwäsche ist besonders hochwertig. Am Kopfende gibt es USB-Steckdosen und eine Leselampe. Die Abteiltür lässt sich mit einer elektrischen Schlüsselkarte von außen verschließen.

Blick in das gemütliche und stilvolle Schlafwagen-Abteil
Blick in das gemütliche und stilvolle Schlafwagen-Abteil

Auch der Service stimmt: Für jeden Reisenden gibt es ein Handtuch, Waschutensilien und eine Flasche Mineralwasser. Morgens wird ein kleines Frühstück ans Bett serviert, wahlweise Porridge oder eine Sausage Roll, dazu Tee oder Kaffee. Das Frühstück ist im Preis enthalten.

Auch hier darf natürlich Porridge nicht fehlen
Auch hier darf natürlich Porridge nicht fehlen

Tipp: Schlafwagengäste haben an den Bahnhöfen London-Paddington, Penzance und Truro Zugang zur GWR-Lounge. Hier gibt es nicht nur kostenlose Snacks und Getränke, sondern auch die Möglichkeit zu duschen.

Nostalgisches Feeling in der GWR-Lounge
Nostalgisches Feeling in der GWR-Lounge

Sitzwagen

Wer mit schmalem Reisebudget unterwegs ist, findet im Night Riviera auch Sitzwagen. Es handelt sich um einfache Großraumwagen. Für die Fahrt im Sitzen ist kein Zuschlag nötig.

Lounge Car

Das Lounge Car ist kein vollwertiger Speisewagen, sondern eher ein gemütliches Wohnzimmer mit Bar. In den stilvollen Sitzgruppen und Lounge-Sofas könnt ihr den Abend bei einem Getränk ausklingen lassen. Kleinere Snacks sind ebenfalls erhältlich.

Tipp: Wasser, Tee und Kaffee sind für Schlafwagengäste kostenlos.

Der Lounge Car mit Sofa lädt zum Verweilen ein
Der Lounge Car mit Sofa lädt zum Verweilen ein

Weitere Ausstattung

  • Barrierefreiheit
    In jedem Zug gibt es ein barrierfreies Abteil, dieses befindet sich direkt neben einer barrierefreien Toilette. Darüber hinaus befindet sich ein Rollstuhlplatz im Sitzwagen.
  • Fahrradmitnahme
    Fahrräder können kostenlos im Night Rivera mitgenommen werden, allerdings ist hierfür eine Reservierung nötig.
  • Haustiere
    Gegen eine Gebühr von 30 £ können bis zu zwei Haustiere im Schlafwagenabteil mitgenommen werden.

Tickets & Preise

Der Fahrpreis setzt sich zusammen aus dem Ticket, das die Beförderung abdeckt, plus einem Aufpreis für den Schlafwagen. Der Night Riviera ist voll in das mitunter ziemlich komplexe britische Tarifsystem integriert. Praktisch gesehen handelt es sich um einen ganz normalen Zug, der als Zusatzservice die Übernachtung im Schlafwagen anbietet.

Am günstigsten reist ihr im Schlafwagen im Tarif Super Off-Peak, die Fahrt von London nach Penzance kostet damit 86,70 £ pro Person. Dazu kommt der Zuschlag, welcher sich nach dem Reisedatum, dem Zeitpunkt der Buchung und der Auslastung richtet. Bei Einzelbelegung sind das ab 49 £, bei Doppelbelegung ab 59 £ pro Abteil.

Ankunft in Penzance am frühen Morgen
Ankunft in Cornwall am frühen Morgen

Damit ergibt sich ein Startpreis von 135,70 £ für Alleinreisende. Zu zweit im Abteil geht es bei 116,20 £ pro Person los.

Im Sitzwagen ist kein Zuschlag nötig, es genügt ein einfaches Ticket für die jeweilige Strecke. Das günstigste Angebot ist der zuggebundene Advanced-Tarif ab 69 £ für die Fahrt von London nach Penzance.

Die Tickets sind erhältlich online auf gwr.com, telefonisch oder am Bahnschalter vor Ort. Achtung: Online macht die Zahlung mit nicht-britischen Kreditkarten manchmal Probleme.

Interrail

Der Night Riviera eignet sich gut für eine Reise mit Interrail. Für eine Nacht im Schlafwagen müsst ihr lediglich den Aufpreis bezahlen. Einziger Haken: Der Aufpreis allein lässt sich nicht online erwerben, sondern nur vor Ort. Gut geht das am GWR-Schalter am Bahnhof Paddington. Allerdings besteht das Risiko, dass der Schlafwagen am Reisetag bereits ausgebucht ist. Wenn möglich, solltet ihr das einige Tage vor der Abfahrt erledigen.

Tipp: Es gibt Berichte von Interrailern, die den Zuschlag auch telefonisch erwerben konnten. Dazu hilft es, nach einem Supplement für ein bestehendes Ticket zu fragen (z. B. Off-Peak) und Interrail nicht zu erwähnen.

Umtausch und Erstattung

Das Reisedatum kann bis einen Tag vor Abreise geändert werden. Sollte das Ticket am neuen Reisetag teurer sein als am ursprünglichen, muss der Differenzbetrag bezahlt werden.

Tickets lassen sich bis 14 Tage vor Abfahrt zu 100 % erstatten, zwischen 14 und 7 Tagen vor Abfahrt gibt es 75 % des Ticketpreises zurück. Danach ist keine Stornierung mehr möglich.

Fazit

In Großbritanniens Nachtzügen wird noch echte Reisekultur gelebt. Komfort und Service auf allerhöchstem Niveau, dazu ein Hauch Eleganz. Und egal, ob euer Ziel Schottland oder Cornwall heißt – die Strecken, auf denen der Caledonian Sleeper und der Night Riviera unterwegs sind, zählen zu den schönsten überhaupt im britischen Bahnnetz.

Zugegeben: Ganz günstig ist die Fahrt nicht. Aber es ist ein einzigartiges Vergnügen, das man als Nachtzug-Fan einmal erlebt haben sollte. Zudem lässt sich der Preis mit Interrail, das in Großbritannien ohnehin ein guter Deal ist, auf ein erträgliches Maß drücken.

Wer kann da widerstehen?
Wer kann da widerstehen?

Zum Autor: Sebastian Wilken ist leidenschaftlicher (Nacht)Zug-Fahrer und schreibt in seiner Zugpost über Zugreisen in Europa. Er beobachtet für Night Ride den Nachtzug-Markt und versorgt euch mit den besten Tipps und Tricks für die schönsten Strecken – inklusive toller Bilder, die er allesamt selber schiesst.

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